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Vater bleiben - trotz Trennung
"Als meine Partnerin von Trennung sprach, hatte ich plötzlich Panik. Sofort ging mir die Frage durch den Kopf: Heißt das nun auch Trennung von meinen beiden Kindern? Zum Glück kam es anders. Die Unterstützung durch einem professionellen Berater hat mir und meinen Kindern gut getan."
(Bernd, Trennungsvater von zwei Kindern)
- In Großstädten liegt die Scheidungsquote bei fünfzig Prozent. Unverheiratete Paare sind dabei nicht berücksichtigt.
- Das Deutsche Jugendinstitut schätzt die Zahl der von ihren Vätern getrennt lebenden Kinder auf über eine Million. Ein großer Teil der Kinder ist bei der Trennung noch nicht einmal drei Jahre alt.
- Die meisten Väter verlieren nach einem Jahr der Trennung den Kontakt zu ihren Kindern.
Hinter diesen nackten Zahlen stehen Schicksale und Tragödien, die Väter und ihre Kinder oft sehr verletzen. Dabei wollen Väter den Kontakt zu ihren Kindern aufrecht erhalten. Die Rechtssprechung oder die Mütter wissen dies aber oft zu verhindern.
Uns ist auch klar, dass es Väter gibt, die sich wortlos zurückziehen und ihre Kinder damit im Stich lassen. Doch aus der alltäglichen Beratung und der Forschung wissen wir, dass die Zahl der Väter wächst, die sich einen guten Kontakt zu ihren Kindern wünschen.
Wir nehmen diese Wünsche ernst und sind der Meinung, dass Kinder ein natürliches Recht auf die Beziehung zu Vater und Mutter haben. Dem Vorurteil, dass es Vätern nur um das Recht geht und sie nicht bereit sind, Verantwortung im Alltag der Kinder zu übernehmen, widersprechen wir vehement.
Nachfolgend entkräften wir Vorurteile und geben Empfehlungen zur Trennungsbewältigung:
Papa weis bescheid
Insbesondere für Trennungsväter ist es wichtig, auf dem "Stand" zu bleiben. Denn Ihr Kind merkt, ob Sie genauso gut Bescheid wissen wie Mama. Schaffen Sie Vertrauen und verbessern Sie die Beziehung zu Ihrem Kind, indem Sie wissen:
- wann mein Kind angefangen hat zu sprechen
- wie der Kinderarzt heißt, welche Krankheiten es hat(te)
- gegen welche Krankheiten es geimpft ist
- ob es vor bestimmten Krankheiten Angst hat
- wer sein bester Freund ist oder wen sie gerne als beste Freundin hätte
- auf welche Leistung es besonders stolz ist und ob ich das gewürdigt habe
- ob ich für seine Einzigartigkeit genug Anerkennung und Zuneigung gebe
- ob es sich durch mich unter Leistungsdruck gesetzt fühlt
- wann es mutlos und verzagt ist und meinen Trost braucht
- wer geliebte oder gefürchtete Personen in Kindergarten / Schule / Uni / Lehrstelle sind
- warum es diese Personen liebt oder fürchtet
- ob es sich wünscht, dass ich eingreife
- .was sein sehnlichster Wunsch ist
- was derzeit seine Lieblingsgeschichte / -Kassette / -Film / -Video ist und warum
- was es gerne täte, sich aber nicht zutraut
- wie ich Selbstvertrauen stärken und Selbstsicherheit geben kann
- wovor es (am meisten) Angst hat und wie ich mit dieser Angst umgehe? Helfe ich bei der Bewältigung?
- ob es Angst vor mir hat?
- was sein Lieblingsessen ist und wie es zubereitet wird
- wie sehr es mich, meine Nähe, meine Aufmerksamkeit, meine Zeit braucht
Je weniger dieser Fragen Sie spontan beantworten können, desto wichtiger sind die nachfolgenden Überlegungen:
- Wie viel Zeit verbringe ich aktiv mit meinem Kind?
- Was tun wir wirklich zusammen?
- Gehe ich mit meinem Kind aufmerksam um, höre ich es, nehme ich es wahr?
- Nehme ich Gefühle und Äußerungen ernst oder gehe ich darüber hinweg?
- Haben mein Kind und ich Spaß beim gemeinsamen Spielen, Lernen und Arbeiten?
- Kann ich mit meinem Kind die Welt mit Kinderaugen sehen?
- Habe ich Vertrauen, dass mein Kind seinen eigenen Weg finden und gehen wird?
(Quelle: Paps - die Welt der Väter, Heft Januar 2002, bestellen über www.paps.de)
Fünf Empfehlungen zur Trennungsbewältigung:
Empfehlungen, die bei einer Trennung für alle Beteiligten und ganz besonders für die Kinder hilfreich sind:
- Ausreichend Kontaktmöglichkeiten mit Vater und Mutter bewahren: Hindern Sie das Kind nicht am Kontakt zu Vater oder Mutter. Der andere Elternteil sollte stets für das Kind da sein, um Verlassenheits-, Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle zu vermeiden. Geben Sie emotionale Sicherheit, damit das Kind weiß, dass sich die Eltern nicht von ihm getrennt haben. Und bleiben Sie realistisch dabei - keine Idealisierung und keine Abwertung.
- Eine kooperative, konfliktarme Zusammenarbeit der Eltern: Überwinden Sie die Sprachlosigkeit, sprechen Sie mit Ihrer Partnerin über Probleme, Wünsche, Vorstellungen, die die Kinder betreffen.
- Demokratischer Erziehungsstil beider Eltern; Erziehungsfähigkeit wiederherstellen, die in der Zeit der emotionalen Turbulenz herabgesetzt war: Führen Sie die Kinder in ihr Kinderleben zurück. Bemühen Sie sich um einen liebevollen und verständnisvollen Umgang mit Ihren Kindern. Setzen Sie klare Grenzen und fordern Sie die Kinder ihrem Alter entsprechend. Achten Sie darauf, dass Sie die Kinder nicht mit Ihrer Trauer, Ihren Ängsten und Ihrer Wut aus der Trennung belasten.
- Minimale Veränderung in der Lebenswelt der Kinder: Überdenken Sie Umzüge in entfernte Orte. Vermeiden Sie einen Kindergarten- oder Schulwechsel.
- Verlässliches soziales Beziehungsnetz für Eltern und Kinder aufrecht erhalten: Bemühen Sie sich, Freunde und Zugehörigkeiten der Kinder zu erhalten. Großeltern, Verwandte beider Eltern, Freunde der Eltern sowie Gemeinschaften und Vereine gehören ebenso dazu. Da dies nicht immer einfach ist, empfehlen wir Ihnen, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
(Quelle: Mein Papa und ich, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend - zurzeit vergriffen)
Was Eltern Ihren Kindern nach einer Trennung zusichern sollten:
- dass beide Eltern sie weiterhin lieben und sie keinen verlieren.
- Dass die Kinder an der Trennung nicht schuld sind.
- Dass sie die Eltern nicht wieder zusammenbringen können.
- Dass die Eltern in ihren Kindern keine Tröster, Beschützer oder Verbündete wollen.
- Dass sie beide Eltern weiterhin lieb haben dürfen. Auch wenn das selbstverständlich klingt, ist es für Kinder oft nicht so.
(Quelle: Mein Papa und ich, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend - zurzeit vergriffen)
Hilfreich: Familienrituale
Familienrituale erhalten Sie die Familienbeziehung und den inneren Kontakt. Insbesondere nach einer Trennung. Der Anschluss wird neuen Familienmitgliedern erleichtert. Und so funktioniert's: Alle setzen sich nach dem Abendessen gemeinsam zusammen. Ein Familienmitglied beginnt von seinem Tag zu erzählen. Danach kommen die anderen. Zu beachten ist:
- Jede hat soviel Zeit, wie sie braucht. Jede spricht nur von sich selbst, von dem was sie erlebt hat und wie es für sie war.
- Niemand wird unterbrochen, niemand redet dazwischen. Auch am Schluss wird keinem etwas ein- oder ausgeredet.
Themen, über die gesprochen wird:
- Was war für dich besonders schön?
- Was hat mir gut gefallen?
- Wer war besonders nett zu mir?
- Was war heute nicht gut für mich?
- Wer hat mich geärgert oder verletzt?
- Wer war besonders blöd zu mir?
- Was hat mir Angst gemacht?
- Was wünsche ich mir morgen?
(Quelle: Mein Papa und ich, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend - zurzeit vergriffen)
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